Astrologie

Die großen Zwillinge: Die Urform der Zwillinge
Zwei Wächter an der Schwelle zur Unterwelt – und zwei Brüder, die im Wechsel leben

Bevor sie Kastor und Pollux hießen, waren die Zwillinge zwei Götter der Unterwelt, deren Figuren man unter Türen vergrub.

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Zwei gleiche Wächtergestalten aus Sternen mit Stäben stehen zu beiden Seiten eines gemauerten Torbogens, die Tür halb offen ins Dunkel, darüber zwei helle Sterne

Zwei Götter, ein Sternbild

Zwei helle Sterne stehen am Winterhimmel dicht beieinander, Kastor und Pollux. In Babylon hießen sie „die großen Zwillinge“. Das Keilschrift-Kompendium MUL.APIN, nach der Edition von Hermann Hunger und David Pingree um 1000 v. Chr. zusammengestellt, gibt ihnen Namen: Lugalirra und Meslamtaea.

Die Namen sind nicht ganz sicher gedeutet. Lugalirra übersetzte der Assyriologe Wilfred Lambert mit „mächtiger Herr“; Schreibung und Lesung bleiben unsicher. Meslamtaea heißt wahrscheinlich „der aus dem Meslam hervorgeht“, dem Tempel des Unterweltgottes Nergal. So fasst es Nicole Brisch im Nachschlagewerk Ancient Mesopotamian Gods and Goddesses zusammen.

Wächter an der Tür

Lugalirra und Meslamtaea sind Götter des Todes und der Unterwelt aus dem Umkreis des Nergal. Sie waren keine fernen Gestalten. In neuassyrischer Zeit vergrub man kleine Figuren von ihnen unter Türen, damit sie den Eingang bewachten. Die Beschwörungsserie Maqlû nennt sie Wächtergötter, die das Herz herausreißen und die Nieren zusammenpressen – Wächter, mit denen man sich nicht anlegt.

Das Zwillingspaar am Himmel war also zunächst ein Paar an der Schwelle: zwischen drinnen und draußen, zwischen den Lebenden und der Unterwelt.

Kastor und Pollux

Die Griechen sahen in den beiden Sternen ihre eigenen Zwillinge. Nach den Sternsagen, die unter dem Namen Hyginus überliefert sind (2,22), sind es Kastor und Pollux, die Dioskuren. Der spätantike Gelehrte Macrobius beschreibt sie als Brüder, von denen man glaubt, sie lebten im Wechsel des Sterbens – und liest darin die Sonne, die bald hinabsteigt, bald wiederkehrt (Saturnalia 1,21).

Auffällig ist die Nähe der beiden Bilder: hier zwei Götter der Unterwelt, die an der Tür wachen, dort zwei Brüder, die zwischen Tod und Leben wechseln. Eine Übernahme lässt sich daraus nicht ableiten. Es ist eine Parallele – aber eine, die zeigt, wie hartnäckig sich an diesen zwei Sternen die Frage nach der Schwelle festgemacht hat.

Was das Bild erzählt

Die Deutungstradition liest die Zwillinge als Luftzeichen des Austauschs, der Neugier und der Zweiheit. Die Urform setzt einen anderen Ton: nicht zwei, die miteinander plaudern, sondern zwei, die gemeinsam einen Übergang hüten.

Deine Zwillinge

Steht deine Sonne in den Zwillingen, etwa zwischen dem 21. Mai und dem 21. Juni, trägst du ein Zeichen, das älter ist als Kastor und Pollux. Auf der Startseite siehst du mit deinem Geburtsdatum dein Sonnenzeichen; der Weg des Westlichen Zodiaks zeigt, wo die Zwillinge in deinem Chart stehen.

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