Astrologie

Stier, Krebs, Löwe, Skorpion: Die Zeichen, die blieben
Vier Tiere, die schon in Babylon am Himmel standen – und die Geschichten, die man ihnen später gab

Nicht jedes Zeichen hat seine Gestalt gewechselt. Vier waren schon vor dreitausend Jahren, was sie heute sind. Neu sind nur ihre Geschichten.

· 3 Min. Lesezeit

Stier, Krebs, Löwe und Skorpion in goldener Gravur nebeneinander auf einem leuchtenden Band über dem Sternenhimmel

Vier, die blieben

Aus dem Lohnarbeiter wurde der Widder, aus der Furche die Jungfrau, aus der Schwalbe und der Göttin Anunītu wurden die Fische. Vier Zeichen aber haben ihre Gestalt behalten. Das Keilschrift-Kompendium MUL.APIN, nach der Edition von Hermann Hunger und David Pingree um 1000 v. Chr. zusammengestellt, nennt auf der Bahn des Mondes den Himmelsstier, den Krebs, den Löwen und den Skorpion. Die Griechen mussten diese Bilder nicht umdeuten – sie gaben ihnen nur neue Geschichten.

Der Stier: ein Stier des Himmels

In Babylon hieß das Sternbild GU₄.AN.NA, der Himmelsstier. Denselben Namen trägt ein Ungeheuer der sumerischen Dichtung. Im Gedicht „Gilgameš und der Himmelsstier“ erbittet die Göttin Inana den Stier von ihrem Vater An; er verwüstet die Stadt Unug, bis Gilgameš und Enkidu ihn erschlagen, und aus seinen Hörnern macht Gilgameš Gefäße für feines Öl für Inana. Ob der Dichter dabei an das Sternbild dachte, sagt der Text nicht; der Name ist derselbe.

Die Griechen sahen im Stier den Gott Zeus, der als Stier die Europa nach Kreta trug (Hyginus 2,21). Macrobius nennt den Stier der Sonne geweiht (Saturnalia 1,21).

Der Krebs: ein schwaches Sternbild am Wendepunkt

Der Krebs, AL.LUL in MUL.APIN, ist das unscheinbarste der vier Bilder. In der griechischen Sage ist er ein Krebs, der Herakles beim Kampf mit der Hydra von Lerna in den Fuß biss; Juno setzte ihn dafür an den Himmel (Hyginus 2,23). Macrobius deutet ihn aus dem Lauf der Sonne: Sein schräger Gang zeige den Weg der Sonne, die nie gerade zieht (Saturnalia 1,21,23).

Der Löwe: das Haus der Sonne

Der Löwe hieß in MUL.APIN UR.GU.LA. Für die Griechen war er der Löwe von Nemea, den Herakles tötete (Hyginus 2,24). Macrobius nennt das Zeichen das Haus der Sonne, weil das Tier seine Natur aus der Sonne ziehe (Saturnalia 1,21) – eine Verbindung, die die Astrologie bis heute hält: Der Löwe gilt als das Zeichen, das die Sonne regiert.

Der Skorpion: eine Göttin

Der Skorpion, GIR.TAB, ist in MUL.APIN mehr als ein Tier: Er wird mit Išḫara gleichgesetzt, der Herrin der bewohnten Welt. In der griechischen Sage ist es der Skorpion, der gegen den Jäger Orion geschickt wurde (Hyginus 2,26). Am Himmel stehen die beiden einander gegenüber; geht der Skorpion auf, geht Orion unter.

Seine Scheren reichten bei den Griechen weit nach vorn, in den Abschnitt, den Babylon und später Rom als Waage sahen. Der Skorpion ist damit das einzige der vier Bilder, dessen Umfang sich gewandelt hat, nicht seine Gestalt.

Was die vier verbindet

Warum gerade diese vier Bilder blieben, sagen die Quellen nicht. Auffällig ist nur, was mit ihnen geschah: Die Gestalt war gesetzt, also bekamen sie Geschichten – griechische Sagen von Göttern und Helden und römische Deutungen aus dem Lauf der Sonne. Bei ihnen sieht man am deutlichsten, dass die Sage dem Bild folgt und nicht umgekehrt.

Dein Zeichen

Der Stier reicht etwa vom 20. April bis zum 20. Mai, der Krebs vom 21. Juni bis zum 22. Juli, der Löwe vom 23. Juli bis zum 22. August, der Skorpion vom 23. Oktober bis zum 22. November. Auf der Startseite siehst du mit deinem Geburtsdatum dein Sonnenzeichen; der Weg des Westlichen Zodiaks zeigt, wo diese Zeichen in deinem Chart stehen.

Wege in diesem Beitrag

Westl. Zodiak

Weiterlesen