Astrologie
Die Schwänze: Die Urform der Fische
Eine Schwalbe, eine Göttin und das Band, das zwei Fische zusammenhält
Das letzte Zeichen des Tierkreises entstand aus zwei Bildern, die gar keine Fische waren. Die Griechen verbanden sie mit einem Band – und mit einer Flucht an den Euphrat.
· 3 Min. Lesezeit

Zwei Bilder für ein Zeichen
Die meisten Zeichen gehen auf ein einziges babylonisches Sternbild zurück. Die Fische haben zwei Vorfahren. Das Keilschrift-Kompendium MUL.APIN, nach der Edition von Hermann Hunger und David Pingree um 1000 v. Chr. zusammengestellt, nennt in diesem Abschnitt der Mondbahn die Schwänze der großen Schwalbe und die Göttin Anunītu. Ein Vogel und eine Göttin – kein einziger Fisch.
Wie aus ihnen zwei Fische wurden, ist nicht überliefert. Sicher ist nur, dass beide Bilder nebeneinander am Himmel standen und dass später an ihrer Stelle ein Paar erscheint. Wer erklärt, wie das genau geschah, deutet – die Texte schweigen.
Das Band
Bei den Griechen sind es zwei Fische, deren Schwänze durch Bänder verbunden sind; so beschreibt sie Aratos im 3. Jahrhundert v. Chr. Dieses Band ist das Eigentümliche des Zeichens. Kein anderes Bild des Tierkreises besteht aus zwei getrennten Gestalten, die etwas Drittes zusammenhält – die Zwillinge stehen nebeneinander, die Fische sind aneinander gebunden.
Venus und Amor im Euphrat
Die bekannteste Sage führt zurück in die Gegend, aus der das Bild stammt. Die Sternsagen, die unter dem Namen Hyginus überliefert sind, erzählen sie (2,30): Venus kam mit ihrem Sohn Cupido nach Syrien an den Euphrat. Dort erschien plötzlich das Ungeheuer Typhon. Mutter und Sohn warfen sich in den Fluss und verwandelten sich in Fische. Deshalb, so heißt es weiter, äßen die Syrer, die in dieser Gegend wohnen, keine Fische.
Ovid erzählt dieselbe Flucht in den Fasti etwas anders (2,458 ff.): Venus springt mit dem kleinen Amor ins Wasser, und zwei Fische tragen sie davon – nach ihnen seien die Sterne benannt. Es ist dasselbe Ungeheuer, vor dem bei Hyginus auch Pan in den Fluss sprang und zum Ziegenfisch wurde. Zwei Wasserzeichen des Tierkreises erzählen die Griechen als Flucht vor Typhon.
Das letzte Zeichen
Die Fische schließen den Kreis, unmittelbar vor dem Frühlingspunkt, an dem der Widder beginnt. Der spätantike Gelehrte Macrobius liest auch sie als Bild der Sonne (Saturnalia 1,21): Die Fische zeigten, dass die lebenspendende Kraft der Sonne bis zu den Tieren im Wasser reicht. Durch die Präzession liegt der Frühlingspunkt heute im Sternbild der Fische selbst; das Zeichen bleibt im tropischen Tierkreis an seinem Platz vor dem Frühlingsanfang.
Die Deutungstradition liest die Fische als Wasserzeichen der Hingabe, der Durchlässigkeit und des Übergangs. Die Urform gibt dem eine eigene Wendung: zwei Wesen, die in verschiedene Richtungen schwimmen und doch verbunden bleiben.
Deine Fische
Steht deine Sonne in den Fischen, etwa zwischen dem 19. Februar und dem 20. März, trägst du das Zeichen, das den Kreis schließt. Auf der Startseite siehst du mit deinem Geburtsdatum dein Sonnenzeichen; der Weg des Westlichen Zodiaks zeigt, wo die Fische in deinem Chart stehen.
Wege in diesem Beitrag
Weiterlesen
Gefühl, Energie, Klarheit: Wie dein Aspektverlauf entstehtDrei Linien im Dashboard, gerechnet aus deinem Geburtshoroskop: was Aspekte und Orben sind, warum langsame Planeten einen Grundton setzen und der Mond eine Welle — und was die Kurve ausdrücklich nicht ist. · 4 Min. LesezeitBeitrag lesen
Vollmond im Stier: Die Erdungsachse zwischen Besitz und LoslassenWenn der Mond im Stier seine höchste Leuchtkraft entfaltet: Die Kunst, materielle und körperliche Erdung zu finden, ohne sich an vergängliche Formen zu klammern.26. Oktober 2026 (05:12 MEZ) · · 3 Min. LesezeitBeitrag lesen
Venus rückläufig im Skorpion: Der Inanna-Mythos und die radikale Werte-RevisionWenn der Planet der Liebe und Verbundenheit im intensiven Skorpion stationär wird: Warum die mythologische Unterweltreise von Inanna und Ereschkigal ein Schlüssel zur seelischen Reifung sein kann.03. Oktober 2026 (Station rückläufig bis 14. November 2026) · · 3 Min. LesezeitBeitrag lesen