Astrologie

Pabilsag: Die Urform des Schützen
Ein Gott mit rätselhaftem Namen, ein Bogenschütze mit Skorpionschwanz und ein Kentaur, der keiner sein sollte

Der Schütze trug in Babylon den Namen eines Gottes. Sein Bild wechselte vom Würdenträger zum Mischwesen mit dem Bogen – und die Griechen stritten, ob er überhaupt ein Kentaur ist.

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Ein geflügelter Bogenschütze mit Pferdeleib und Skorpionschwanz in goldener Gravur spannt seinen Bogen vor der Milchstraße, rechts ein Sternbild

Ein Gott als Sternbild

Unter den Sternbildern, die das Keilschrift-Kompendium MUL.APIN um 1000 v. Chr. auf der Bahn des Mondes aufzählt, steht PA.BIL.SAG. Das ist kein Gegenstand und kein Tier, sondern der Name eines Gottes. Pabilsag war, wie Nicole Brisch im Nachschlagewerk Ancient Mesopotamian Gods and Goddesses zusammenfasst, der Stadtgott von Larak, einer Stadt, deren Lage bis heute nicht gefunden ist, und der Gemahl der Heilgöttin Gula.

Sein Name ist rätselhaft. Die naheliegende Deutung als „Pfeilschütze“ passt zu gut, um wahr zu sein – sie gilt philologisch als widerlegt. Der Gott, der später den Bogen spannt, trug also keinen Bogen im Namen.

Vom Würdenträger zum Mischwesen

Wie Pabilsag aussah, hat sich gewandelt. Im 1. Jahrtausend v. Chr. konnte er als hoher Würdenträger erscheinen. In hellenistischer Zeit zeigte man ihn als Kentaur, halb Mensch, halb Pferd, manchmal mit dem Schwanz eines Skorpions – und setzte ihn mit dem Schützen gleich.

Älter ist ein Bild auf den babylonischen Grenzsteinen, den kudurru: ein geflügelter Bogenschütze mit Pferdeleib und Skorpionschwanz, das Ursula Seidl unter den Göttersymbolen verzeichnet. Ob es schon Pabilsag meint, lässt sich nicht sicher sagen. Deutlich ist aber, dass Bogen, Pferdeleib und Skorpion in Mesopotamien zusammenfanden, lange bevor die Griechen ihren Kentauren an den Himmel setzten.

Der Bogen am Stachel

Am Himmel steht der Schütze unmittelbar hinter dem Skorpion. Aratos beschreibt im 3. Jahrhundert v. Chr., wie der Schütze seinen großen Bogen nahe dem Stachel des Skorpions spannt (300–310). Der Skorpionschwanz des babylonischen Bogenschützen und der Bogen, der auf den Skorpion zielt, gehören zu derselben Nachbarschaft – auch wenn niemand weiß, welches Bild das andere hervorgebracht hat.

Ein Kentaur, der keiner sein sollte

Die Griechen übernahmen das Bild, waren sich aber uneins, wen es zeigt. Die Sternsagen, die unter dem Namen Hyginus überliefert sind, halten den Streit fest (2,27): Viele hielten den Schützen für einen Kentauren. Andere widersprachen, weil kein Kentaur je Pfeile benutzt habe, und nannten ihn Krotos – eine Gestalt mit Pferdebeinen und dem Schwanz eines Satyrs.

Durchgesetzt hat sich der Kentaur. Doch der Streit zeigt, wie fremd das Bild den Griechen war: Sie suchten eine Geschichte für eine Gestalt, die sie nicht erfunden hatten.

Was das Bild erzählt

Die Deutungstradition liest den Schützen als Feuerzeichen des Ziels, der Ferne und der Suche nach Sinn. Die Urform fügt etwas hinzu: einen Gott, dessen Aufgaben die Forschung bis heute kaum greifen kann, und ein Mischwesen, das nie ganz in eine Ordnung passte – halb Mensch, halb Tier, mit wechselnden Gesichtern über die Jahrhunderte.

Dein Schütze

Steht deine Sonne im Schützen, etwa zwischen dem 23. November und dem 21. Dezember, trägst du das Zeichen eines Gottes, dessen Name bis heute niemand sicher übersetzen kann. Auf der Startseite siehst du mit deinem Geburtsdatum dein Sonnenzeichen; der Weg des Westlichen Zodiaks zeigt, wo der Schütze in deinem Chart steht.

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